Ägypten – Brother Islands

Zwei Felsnadeln ragen aus über 1000m Tiefe empor: Little und Big Brother. Die beiden kargen Inseln sind gut 150 km von der ägyptischen Küste entfernt. Durch ihre isolierte Lage im Roten Meer haben Taucher hier gute Chancen auf Großfischbegegnungen. Besonders an den strömungsexponierten Nordplateaus der Riffe sichtet man oft graue Riffhaie und manchmal Hammer- und Fuchshaie. Oft ist aber die Strömung dort so  stark, dass das Tauchen zu einer Lehrstunde der Naturgewalten wird! Schon vom Safarischiff lassen sich Haie beobachten! Es sind vor allem junge Seidenhaie, die neugierig um das Schiff kreisen und auf einen Happen hoffen. Das Füttern von Haien ist verboten, doch scheint diese Praxis angesichts des Haiverhaltens recht häufig. Aber nicht nur Haie sondern auch die scheinbar grenzenlos abfallenden, dicht mit Korallen überwucherten  Steilwände an den Ost- und Westseiten der Inseln beeindrucken den Taucher und lassen ihn leicht das Gefühl für die Tiefe verlieren. Wegen der in der Regel guten Sichtweiten und den oftmals unvorhersehbaren Strömungen sollte man immer wieder einen Blick auf den Tiefenmesser und das Finimeter werfen!

Die beiden Wracks sind ein weiteres taucherisches und fotografisches Highlight: Bei der „Aida“ handelt es sich um einen ägyptischen Truppentransporter, der 1956 auf das Riff lief. Sie liegt an der Nordwestseite vor Big Brother in einer Tiefe von 30 bis über 70m.
Die „Numidia“, oft auch Eisenbahnwrack genannt, war ein 150m langer Frachter, der am 21.Juli 1901 auf dem Weg von Liverpool nach Kalkutta auf das Nordplateau von Big Brother auflief. Das Schiff befindet sich in Tiefen zwischen 10 und 70m. Es ist wunderbar mit Korallen überwuchert und übt durch seine Lage an einer steilen Schräge, besonders wenn die Sonnenstrahlen Mittags durch die Schiffsaufbauten scheinen, eine unwiderstehliche Faszination aus.

22. August 2002:

Noch vor Sonnenaufgang ankern wir bei relativ bewegter See vor Little Brother. Während einer unruhigen Nacht hat sich die Thunderbird, unser Safarischiff, die lange Strecke von der Küste zu den Brother Islands durchgekämpft. Doch auf der Leeseite der kleinen Felseninsel ist der Seegang relativ gering und das Schwanken des Schiffs erträglich. Brother Islands2 PanHDWährend einer Tauchkreuzfahrt zu den Brother Islands können sich die Gäste in der Regel zunächst ein Tag an den küstennahen Riffen eintauchen, bevor man die beiden Fleckenriffe mitten im Roten Meer in Angriff nimmt. Nach spätestens vier Tauchtagen kehrt das Schiff wieder zurück an die Küste, an der die Safari mit zwei bis drei Tauchgängen ausklingt. Unsere erste Brothers-Tour startete von Hurghada aus. Zu Beginn konnten wir uns an den Riffen Abu Alama (Panorama-Riff) und Abu Kafan taucherisch eingewöhnen. Es handelt sich um Fleckenriffe, die sich in reichlich Entfernung zur Küste befinden. Sie überzeugten damals durch ihre ihre beachtlichen Steilwände, ihre große Korallenvielfalt und den Tierreichtum. Begegnungen mit Barracudas und Schildkröten standen auf der Tagesordnung. Wie der heutige Zustand dieser Riffe aussieht, vermag ich nicht zu sagen.

Nach diesem Tauchtag macht sich das Schiff auf nach Osten auf’s offene Meer zu den Brother Islands. Hier ein Auszug aus meinem (B)Logbuch:

22. August’02, 6:56 Uhr: Tauchplatz Little Brother-Nordostseite/ Strömung mäßig/ Wellengang mäßig/ Sicht ca. 25m/ Tiefe 28m/ Tauchzeit 0:47/ Schon beim Abtauchen begegnet mir der erste Hai auf knapp 30m. Unser Guide Carlo hat uns oberhalb des Gorgonienfeldes auf der Ostseite seine Haibeobachtungsstation gezeigt. Es handelt sich dabei um eine kleinen Absatz in der Steilwand, den man wie eine Loge nutzen kann. Bereits nach kurzer Zeit ließ sich ein erster Hammerhai blicken. Beim Austauchen unter dem Boot erschien am Ende des Tauchgangs noch mal ein Hammerhai. Prädikat: Top!

22. August’02, 17:14 Uhr: Tauchplatz Little Brother Westseite/ Strömung z.T. stark/ Wellengang gering/ Sicht ca. 25m/ Tiefe 23m/ Tauchzeit 0:58/ Am Plateau zeigten sich zwei große Riffhaie/ Schwarzschwanzriffhaie (Carcharhinus wheeleri). Unter dem Tauchboot kreisten zwei Seidenhaie, die uns vorsichtig, aber neugierig beobachteten und in gebührendem Abstand umkreisten. Klasse Erlebnis!

24. August’02, 6:41 Uhr: Tauchplatz Little Brother Nordseite/ Strömung z.T. stark/ Wellengang heftig/ Sicht ca. 20m/ Tiefe 23m/ Tauchzeit 0:39/ Toller Abschied von Little Brother: Mindestens sechs Riffhaie kreisten um- und über uns in der teilweise recht starken Strömung. Einer der Haie ist von oben am Riff entlang bis auf Körperlänge an mich herangeschwommen, während ich die anderen über dem Nord-Plateau beobachtet habe. Da ich ihn erst ganz spät bemerkt hatte, bin ich doch ziemlich erschrocken! Auch meine Frau wurde von einem Hai aus nächster Nähe beäugt, ohne, dass sie es registriert hat! Haikino per excellence!

24. August’02, 10:26 Uhr: Tauchplatz Wrack Numidia, Big Brother Nordseite/ Strömung z.T. stark/ Wellengang stark/ Sicht ca. 25m/ Tiefe 33m/ Tauchzeit 0:41/ Toll bewachsenes Wrack! Ca. 150m lang und gut 10m breit liegt dieses Wrack traumhaft an einem steil abfallenden Hang. Es ist über und über mit Korallen bewachsen. Der üppige Bewuchs und die sagenhafte Beleuchtung durch die Sonne, die von Süden den Riffhang hinunter scheint, machen es zu einem der wohl schönsten Wracks im Roten Meer!

25. August’02, 10:30 Uhr: Tauchplatz Gota Abu Ramada/ Strömung keine/ Wellengang keiner/ Sicht ca. 20m/ Tiefe 13m/ Tauchzeit 0:52/ Dieser Tauchplatz heißt auch Aquarium. Der Name sagt schon alles! Wunderbarer Abschiedstauchgang von dieser Safari!

 

Unterwasserfotografie und Tauchreiseberichte

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